Mit dieser surrealen, abgr%26uuml;ndigen Sequenz %26uuml;ber einen Witwer, der im dunklen Meer seiner eigenen Trauer zugrunde geht, beginnt Paul Hornschemeiers Graphic Novel “Komm zur%26uuml;ck, Mutter”. Etwas farbiger und realistischer, aber nicht weniger traurig geht es weiter, als der eigentliche Protagonist in Erscheinung tritt: Der siebenj%26auml;hrige Thomas, aus dessen r%26uuml;ckblickender Perspektive die Geschichte erz%26auml;hlt ist.Seit drei Monaten ist seine Mutter tot; und w%26auml;hrend er bei einsamen Spielen hilflos trauert, bemerkt er seltsame Ver%26auml;nderungen an seinem todungl%26uuml;cklichen Vater. Der schl%26auml;ft nachts lieber auf dem Fu%26szlig;boden anstatt im Ehebett. Er l%26auml;sst die Wohnung zunehmend verwahrlosen und bringt au%26szlig;er t%26auml;glichen Hot Dogs kein anst%26auml;ndiges Mittagessen mehr f%26uuml;r sich und seinen Sohn zustande.Immer h%26auml;ufiger murmelt der Witwer Unverst%26auml;ndliches vor sich hin - die traumartige Eingangsszene vermittelte einen treffenden Eindruck von der geistigen Orientierungslosigkeit, in die er zunehmend abgleitet.%26Auml;ngstlich beobachtet Thomas diese Ver%26auml;nderungen. Oft versteckt er sein Gesicht hinter einer L%26ouml;wenmaske, die seine Mutter ihm einmal schenkte. Er scheint sich zu w%26uuml;nschen, dass etwas von der Kraft dieses L%26ouml;wen auf ihn abstrahlen m%26ouml;ge, will die Kontrolle behalten, seinen Vater besch%26uuml;tzen und Verantwortung %26uuml;bernehmen. Zwar tr%26auml;umt auch er sich bisweilen in kindliche Phantasiewelten hinein: Die Menschen seiner Umgebung erscheinen ihm dann wie Spielzeugtiere in seinem L%26ouml;wenreich.Hornschemeier zeichnet sie in naivem, kindlich-schlichtem Stil und schafft dadurch wirkungsvolle Kontraste zum fl%26auml;chig-pr%26auml;zisen Strich, mit dem er das reale Alltagsleben darstellt. Durch solche stilistischen Br%26uuml;che verdeutlicht er zudem wirkungsvoll, welche Dramen sich in auch Thomas’ Seele abspielen. Doch trotz seiner zeitweiligen Weltflucht verliert der Junge nie die Bodenhaftung: Mittags macht er nun die Sandwiches, r%26auml;umt die Wohnung auf und bewacht jene Orte, die seine Mutter liebte - “ihren Garten, ihr Zimmer, ihr Versteck, der Wald dazwischen.”Als sein Vater eines Tages abgeholt und in eine psychiatrische Klinik gebracht wird, f%26uuml;hlt er sich trotzdem schuldig.”Komm zur%26uuml;ck, Mutter” ist die erste auf Deutsch erscheinenden Graphic Novel des 1977 in Cincinnati geborenen Hornschemeier, der schon w%26auml;hrend seines Studiums die experimentelle Comicserie Sequential ver%26ouml;ffentlichte. Auf Englisch konnte man auch bereits den Kurzgeschichtenband “Let Us Be Perfectly Clear” und die Graphic Novel “The Three Paradoxes” von ihm lesen, und seine Heftreihe “Forlorn Funnies”, in deren Rahmen teilweise auch sein j%26uuml;ngstes Buch entstand, wurde unter anderem f%26uuml;r den Eisner-Award nominiert.In virtuosem Wechselspiel von Zeichenstilen l%26auml;sst er in “Komm zur%26uuml;ck, Mutter” die Welt zweier Menschen auseinander brechen: Abrupte Perspektivenwechsel, ungew%26ouml;hnliche Seitenkompositionen und Einzelbilder, die in mehrere Teile zerfallen, f%26uuml;gen sich zu einer ergreifenden Graphic Novel, deren formale Raffinesse niemals Selbstzweck ist: Hornschemeier bildet damit eben jenen Scherbenhaufen ab, der nach dem Tod der Mutter vom einstigen Familienleben zu Dritt %26uuml;brig blieb. Es gibt nicht viele B%26uuml;cher, die man mehrmals lesen m%26ouml;chte; aber diese tragisch endende Graphic Novel ist selbst beim dritten Mal noch zum Heulen sch%26ouml;n.Paul Hornschemeier: Komm zur%26uuml;ck, Mutter. Carlsen, 128 Seiten, 16 Euro
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