Eines haben alle Filme des kanadischen Regisseurs David Cronenberg gemeinsam: Sie entziehen sich jeder eindeutigen Interpretation. Schon seine fr%26uuml;heren Studien in Body Horror, die ber%26uuml;chtigten Splatter-Phantasien “Die Parasitenm%26ouml;rder” und “Rabid - Der br%26uuml;llende Tod”, unterscheiden sich durch ihre ambivalente Haltung von anderen Horrorfilmen. Nach Au%26szlig;en hin beschw%26ouml;ren sie zwar klassische Szenarien des Schreckens, doch die Oberfl%26auml;chen waren in Cronenbergs Werk schon immer tr%26uuml;gerisch. Unter ihnen verbergen sich meist Mutationen und manchmal auch eine ganz andere Welt.Das gr%26ouml;%26szlig;te Entsetzen geht in Cronenbergs Filmen nicht von den monstr%26ouml;sen Ausformungen des “Neuen Fleisches” aus, viel schrecklicher ist die Vorstellung, da%26szlig; die Welt und die Menschen in ihrem derzeitigen Zustand verharren k%26ouml;nnten. Seine Monster sind eine Gefahr f%26uuml;r den Status quo, sie bedrohen das Leben, wie wir es kennen.In “A History of Violence”, Cronenbergs Adaption einer Graphic Novel von John Wagner und Vince Locke, gibt es keine Monstren mehr und auch keine k%26ouml;rperlichen Verwandlungen, die die Ankunft des “Neuen Fleisches” signalisieren; und doch f%26uuml;gt sich diese Gangster- und Familiengeschichte nahtlos in sein Werk ein. Wie in seinen fr%26uuml;heren Filmen bewegt er sich in dem Spannungsfeld zwischen Stillstand und Ver%26auml;nderung, zwischen Zivilisation und Instinkt.Es ist purer Instinkt, der dem zweifachen Familienvater und Kleinunternehmer Tom Stall (Viggo Mortensen) das Leben rettet. Als eines Abends zwei skrupellose Gangster und Killer in dem verschlafenen Nest Millbrook auftauchen und sein Diner %26uuml;berfallen wollen, handelt er intuitiv richtig und t%26ouml;tet sie mit einer beinahe schon schlafwandlerischen Sicherheit. Diese Heldentat ruft allerdings nicht nur die Medien, sondern auch noch einige andere Gangster auf den Plan.Wie so oft in Cronenbergs filmischen Studien %26uuml;ber das menschliche Treiben bilden in “A History of Violence” den einen Pol die Regeln, mit denen die Gesellschaft die bestehende Ordnung aufrechterhalten will. Der andere wird von den dunklen, oftmals %26uuml;berm%26auml;chtigen Impulsen gepr%26auml;gt, in denen sich der destruktive Teil der menschlichen Natur offenbart. Und wieder einmal verweigert Cronenberg eine klare Stellungnahme.Die atavistischen Aspekte der menschlichen Existenz treten im Lauf der Handlung immer weiter in den Vordergrund. Mit ihnen halten Gewalt und Zerst%26ouml;rung Einzug in eine Kleinstadt im Bundesstaat Indiana und ins Heim der Familie Stall. Doch letztlich war zumindest Millbrook nie das Idyll, zu dem seine Bewohner es verkl%26auml;rt hatten. Als Folge ihrer inneren Erstarrung - hier hat sich seit dem sp%26auml;ten 19. Jahrhundert wohl kaum etwas ver%26auml;ndert - repr%26auml;sentiert sie genauso wie auch Toms Familie vielmehr alle repressiven Tendenzen in der amerikanischen Gesellschaft.Eine Geschichte, die offensichtlich als Warnung vor den Nachwirkungen von Gewalt angelegt war, wird in Cronenbergs H%26auml;nden zu einer im h%26ouml;chsten Ma%26szlig;e doppeldeutigen Meditation %26uuml;ber die Grenzen christlicher und humanistischer Ideen. Die harten, fast schon dokumentarischen Bilder zerst%26ouml;rter K%26ouml;rper und die f%26uuml;r amerikanische Verh%26auml;ltnisse %26uuml;berraschend expliziten Sexszenen des Films lassen keine einfachen Reaktionen zu. Wie Cronenbergs Charaktere sieht sich auch der Zuschauer mit seinen archaischsten Instinkten konfrontiert. Bewertung 3
Graphic Novel,Novel
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