In Wirklichkeit war das nat%26uuml;rlich etwas anders. Elvis starb am hellen Tag und zun%26auml;chst unbemerkt. Die d%26uuml;ster-dramatische Version stammt aus einem neuen deutschen Comic: “Elvis - die illustrierte Biografie” will, das macht sie nicht nur an dieser Stelle klar, sich ihrem Thema eher assoziativ n%26auml;hern. In zehn Kapiteln will sie Abschnitte, Br%26uuml;che und Risse des so spektakul%26auml;ren wie tragischen Lebens erkl%26auml;ren, indem sie die gro%26szlig;en emotionalen Dramen sucht. Details sind sekund%26auml;r.Der Band wurde gerade von Reinhard Kleist und Titus Ackermann herausgegeben - von zwei M%26auml;nnern also, die zurzeit so etwas wie die Verk%26ouml;rperung der erfolgreichen deutschen Comic-Avantgarde schlechthin sind. Kleist hatte vor elf Jahren mit einer gezeichneten Biografie des Phantasik-Schriftstellers H. P.
Lovecraft begonnen, sich dem Horrorgenre gewidmet mit etwa seiner Reihe “Berlinoir” und vor einem Jahr die gelungene Johnny-Cash-Biografie “I see a darkness” gezeichnet. Der Schweizer Titus Ackermann ist Illustrator und gibt das in Comic-Kreisen angesehene Magazin Moga Mobo heraus.F%26uuml;r ihr Elvis-Buch haben sie einige Gr%26ouml;%26szlig;en der deutschen Comicszene um Mitarbeit gebeten, Namen wie Isabel Kreitz, Thomas von Kummant und Uli Oesterle z%26auml;hlen zu den erfolgreichsten, die auch %26uuml;ber deutsche Grenzen hinaus bekannt sind. Kleist, der sich zur%26uuml;ckh%26auml;lt und nur zwei Kapitel zeichnet, hat hier vielleicht eine wichtige Rolle entdeckt: Die des Impresarios der Comicszene.Zehn Kapitel f%26uuml;hren also durch das Leben des Rock-’n-Roll-K%26ouml;nigs, jedes hat ein anderer gezeichnet. Alles beginnt mit Elvis’ Zwillingsbruder Jesse, der bei der Geburt stirbt. Von solcher mythisch %26uuml;berh%26ouml;hten Kraft, die dieses auch sp%26auml;ter wieder zitierte Ereignis hier bekommt, sind manche weitere durchtr%26auml;nkt: als warnende Kassandra stirbt Elvis’ Mutter, eine Katastrophe f%26uuml;r den liebenden Sohnes. Wie die Freier im Haus des abwesenden Odysseusnisten sich bald Schnorrer und schlechte Berater in Graceland ein. Und ein ganz moderner US-Mythos %26uuml;berstrahlt und %26uuml;berzieht nat%26uuml;rlich alles - der Aufstieg und Fall des einfachen Jungen zum gr%26ouml;%26szlig;ten Star und zur%26uuml;ck zum fremdbestimmten Verlierer.Weil das Leben dieses Mannes so sehr von Legendenbildung und %26Uuml;berinformation verstellt und vernebelt ist, %26uuml;berzeugt die Strategie dieser fiktionalen Biografie, auf Patchwork zu setzten. In den Episoden dieses Comics geht es nicht um Akkuratesse und Faktenvermittlung. Sie wollen ihren Gegenstand mit halb geschlossenen Augen ansehen und dadurch mehr verstehen. Und sie wollen durch Vielfalt %26uuml;berzeugen. Die Episoden variieren stark im Stil: Von der Jugend, holzschnittartig in Sepiat%26ouml;nen, %26uuml;ber violett-verrauchte Konzertatmosph%26auml;re bis zum surrealen Linienzug der letzten Exzesse erh%26auml;lt jede Phase ihren genuinen Look.Das alles ist wohl nur sinnvoll, weil %26uuml;ber Elvis immer schon alles gesagt ist. Genau deswegen ist das, was oberfl%26auml;chlich betrachtet als Eklektizismus wirkt, eine kluge Wahl. Dem Band gelingt damit das Wunder, aus dieser Vielfalt ein Mosaik namens Elvis zum Leben zu erwecken. Hier bringt Comic-Kunst ihre eigene %26auml;sthetische St%26auml;rke f%26uuml;r ein aufregendes Biografieprojekt ins Spiel. Das Buch ist wie das Remake eines Oldies. Ein paar instruktive Funken schl%26auml;gt eine gute Neuinterpretation immer.Vielleicht ist Comic gar als Medium der Volksbildung untersch%26auml;tzt worden. In dieser Woche erschien der Bericht eines Berliner Stadtreporters, der eine Koreanerin am Checkpoint Charlie fragte, warum sie hier sei: In einem Comic habe sie von der Wiedervereinigung gelesen und daraufhin die Reise nach Deutschland beschlossen, bekam er zur Antwort.Das Reiseziel dieser Frau ist nach wie vor kein ganz gro%26szlig;es Comicland, daran %26auml;ndert ein sch%26ouml;ner Sammelband noch nichts. Er ist aber ein gutes und ehrliches Panorama der Comickunst dieses Landes. Nicht jedes Kapitel von “Elvis” ist gut. Daf%26uuml;r sind einige hervorragend. Thomas von Kummant zeigt ein Konzert in tiefen Blau- und T%26uuml;rkist%26ouml;nen, setzt gr%26uuml;ngrau das fette Gesicht des miesen Managers vor das Toben, blendet in die tr%26uuml;gerische Idylle Gracelands %26uuml;ber - und variiert dabei rhythmisch die Raumtiefe, um zwischen Beklemmung und Hoffnung zu wechseln. Herausgeber Kleist selbst zeigt den Tod der Mutter in expressiven Diagonalkonstruktionen. Der Kasseler Nic Klein gibt Elvis’ Jugend einen verknitterten Anstrich alter Filmrollen.Manche fehlen sogar, die man in einem solchen Panorama der deutschen Graphic Novel erwartet h%26auml;tte. Etwa Kleists Ateliergenossen Fil und besonders Andreas Michalke, der stilistisch gut gepasst h%26auml;tte.Trotzdem ruft das Buch nicht nur das emotional Wesentliche eines tragischen Lebens in Erinnerung, es ist zugleich ein Beweis daf%26uuml;r, dass der deutsche Comic lebt - in aller Vielfalt.Reinhard Kleist, Titus Ackermann u.a.: Elvis - Die illustrierte Biografie. Ehapa Comic Collection, K%26ouml;ln. 128 S., 19 Euro
Graphic Novel,kleist,Novel
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