Thermopylen, 480 vor Christus. Der persische Gottk%26ouml;nig Xerxes ist mit seinem
Heer der Unbesiegbaren gekommen, die griechischen St%26auml;dte zu unterwerfen.
Allein der stolze Leonidas stellt sich ihm mit seinen 300 Kriegern in den
Weg. Spartaner sein hei%26szlig;t k%26auml;mpfen und klaglos f%26uuml;r die Ehre sterben. Es sind
folglich weniger Menschen als vielmehr antike Kampfmaschinen, die Frank
Miller in seiner d%26uuml;steren Graphic Novel %26bdquo;300%26ldquo; aufmarschieren l%26auml;sst. Ehre,
Pflicht, Ruhm, Kampf, Sieg sind die f%26uuml;nf Kapitel %26uuml;berschrieben, kongenial
hat Regisseur Zack Snyder, 41, das pathetische Gemetzel f%26uuml;r die Leinwand
adaptiert. Dabei trifft er erstaunlich genau die %26Auml;sthetik der Vorlage. Fast
noch sch%26ouml;ner wird im Film vor kunstvoll stilisiertem Hintergrund get%26ouml;tet und
gestorben. Ehrlich erstaunt ist der jungenhafte Regisseur %26uuml;ber die deutschen
Kritiker, die den %26bdquo;Riesenspa%26szlig;%26ldquo; als Irak-Krieg-Durchhalteepos in
faschistoider Optik verstanden haben. Sein Interesse hingegen gelte vor
allem der Oberfl%26auml;che. In den USA ist %26bdquo;300%26ldquo; sensationell gestartet und hat
bereits mehr als 160 Millionen Dollar eingespielt. Der Film kommt am
Donnerstag in die deutschen Kinos.
Stechschritte - Das Kino wird zum Videospiel
Die Spartaner waren gar nicht so nett
Schlachten schlagen schwer gemacht
300 Spartaner gewinnen im Internet
WELT ONLINE: W%26uuml;rden Sie zustimmen, dass %26bdquo;300%26ldquo; ein echter Jungsfilm
ist? W%26auml;hrend der Pressevorf%26uuml;hrung in Berlin verlie%26szlig;en einige Zuschauerinnen
das Kino.
Zack Snyder: Wirklich? Dabei hat meine Frau sehr darauf gedrungen,
die weibliche Hauptrolle mit einem starken und selbstbewussten Charakter
auszustatten. Zugegeben, ich bin eher ein Technik-Freak, und es w%26uuml;rde mir
wohl nicht zuerst einfallen, einen Frauenfilm machen zu wollen. Aber
letztlich gibt es auch hier ein bisschen Romantik, oder?
WELT ONLINE: Warum wollten Sie ausgerechnet den d%26uuml;steren
Schlachtenget%26uuml;mmel-Comic von Frank Miller verfilmen?
Snyder: Ich bin ganz klar ein Genre-Filmemacher. Mein voriger Film
war ja das Remake von %26bdquo;Dawn of the Dead%26ldquo;. %26Auml;hnlich funktioniert %26bdquo;300%26ldquo;, der
sich seiner Vorlage sehr bewusst ist. Ein wenig habe ich ihn auch mit Blick
auf das Comic-Publikum gedreht. Auch deshalb bin ich vollkommen %26uuml;berrascht
von den zahlreichen politischen Fragen, die ich hier in Berlin zu %26bdquo;300%26ldquo;
gestellt bekomme. Das ist so interessant, weil mein Freundeskreis und
Publikum offensichtlich andere Ma%26szlig;st%26auml;be anlegen. Wenn Sie sich auf den
Camp-Charakter des Dargestellten einlassen k%26ouml;nnen, verstehen sie sicherlich
den speziellen Witz der amoralischen Heldenfiguren.
WELT ONLINE: Ist %26bdquo;300%26ldquo; also eine Farce?
Snyder: Nein, aber es hilft, nicht alles so ganz und gar ernst zu
nehmen. Es gibt zum Beispiel diese Szene, in der Leonidas nach der Schlacht
auf einem Leichenberg steht und gen%26uuml;sslich einen saftigen Apfel isst,
w%26auml;hrend seine Kameraden um ihn herum die %26uuml;berlebenden Feinde t%26ouml;ten. F%26uuml;r mich
ist das wie ein eigener Film im Film. Sp%26auml;testens hier, w%26uuml;rde ich meinen, hat
auch der Letzte verstanden, dass Camp im Spiel ist. Dies ist nicht die
Wirklichkeit, und die Helden sind zweifelsfrei moralisch bankrott. Sie
bewegen sich auf einem Pfad, der nicht deiner ist. Wenn doch, sollte man
allerdings anfangen, sich Sorgen zu machen. Auf jeden Fall war es meine
Intention, diese grenzverschiebende Schaulust zu wecken.
WELT ONLINE: Nicht zuletzt die Figuren unterst%26uuml;tzen ja aber doch
eine %26Auml;sthetik, die leicht als faschistische gesehen werden kann. Die Guten
sind ausnahmslos muskelbepackte Idealtypen, die Verkommenen und Verworfenen
sind bis auf eine Ausnahme dagegen in jeder Beziehung h%26auml;sslich.
Snyder: Ja, das mag stimmen. Wirklich interessant sind aber die
vielen Kommentare, die sich mit der angeblichen Homosexualit%26auml;t der Krieger
befassen. Warum w%26uuml;rde niemand angesichts eines Haufens nackter Frauen auf
die Idee kommen, sie w%26auml;ren alle lesbisch? Wie kann man nackte M%26auml;nnerk%26ouml;rper
inszenieren, ohne notwendig als schwul konnotiert zu werden?
WELT ONLINE: Als Zuschauerin war ich im Film ironischer Weise aber
von den vielen angezogenen M%26auml;nnern entt%26auml;uscht. Bei Frank Miller gibt es,
anders als bei Ihnen, viele nackte M%26auml;nner aber keine nackten Frauen zu
bestaunen.
Snyder: In diesem Fall hat der Comic dann wohl falsche Hoffnungen
geweckt. Sie h%26auml;tten ihn nicht vorher lesen d%26uuml;rfen! Tats%26auml;chlich hatte ich
dar%26uuml;ber nachgedacht, in einer bestimmten Szene einen nackten Mann auftreten
zu lassen, das w%26auml;re sicher l%26auml;ssig gewesen. Der Film h%26auml;tte dann jedoch nur
sehr eingeschr%26auml;nkt gezeigt werden k%26ouml;nnen. Ansonsten habe ich mich sehr exakt
an die Vorgaben aus dem Comic gehalten. Gerade dessen opernhafte %26Uuml;ppigkeit
ist doch so reizvoll und unterst%26uuml;tzt den fiktiven Charakter der Geschichte.
Wenn ein Film dazu realistisch daherkommt, gibt es immer Zuschauer, die das
Gezeigte f%26uuml;r die Realit%26auml;t halten. Nehmen Sie die %26bdquo;Die Passion Christi%26ldquo;, ein
Film, der aufgrund der physischen Pr%26auml;senz seiner Bilder extrem pornografisch
ist. Ich bin %26uuml;berzeugt, ein Teil des Publikums h%26auml;lt ihn quasi f%26uuml;r eine
Dokumentation.
WELT ONLINE: Aber es ist nicht auszuschlie%26szlig;en, dass es sich genau so
zugetragen hat.
Snyder: Okay, ein interessanter Gedanke. Aber anders als zum
Beispiel in %26bdquo;Alexander%26ldquo; versuchen wir nicht die Figuren zu psychologisieren.
Ich halte das f%26uuml;r bedenklich. Frank war dagegen von der Mythologie eines
Moments fasziniert und hat darum ein Design und eine Erz%26auml;hlung gesponnen.
Selbstverst%26auml;ndlich gibt es im Film Bilder, die an antike Vorgaben erinnern.
Die gibt es, weil Frank sie genau so gezeichnet hat.
WELT ONLINE: Ist diese Wertsch%26auml;tzung des stehenden Bildes der Grund
f%26uuml;r den extensiven Einsatz von Zeitlupen? Der Film w%26auml;re sonst doch wohl sp%26uuml;rbar k%26uuml;rzer geworden.
Snyder: Das ist absolut richtig. Eine halbe Stunde wahrscheinlich.
Ich liebe detaillierte Actionszenen. Das ist Ihnen beim Zuschauen vielleicht
aufgefallen. Eine pers%26ouml;nliche Vorliebe, der ich reuelos nachgehe. Aber es
ist auch ein Instrument, um die Gem%26uuml;tsregungen der Protagonisten abzubilden,
w%26auml;hrend sie gerade ein Blutbad anrichten. Verr%26auml;t die gedehnte Zeit
irgendetwas %26uuml;ber das Innenleben? Also, das ist jedenfalls die Antwort, wenn
ich mein Verhalten in Bezug auf die Zeitlupe rationalisieren muss. Ansonsten
finde ich es einfach ziemlich cool.
WELT ONLINE: Gibt es f%26uuml;r die fahlen Farben, f%26uuml;r das artifizielle
Licht im Film bestimmte Vorlieben oder Vorbilder?
Snyder: Ich denke, f%26uuml;r mich ist die %26Auml;sthetik der Landschaft, der
Figuren, des Himmels die Leinwand des Films. Wir haben keine besonders
elaborierte Technik f%26uuml;r den Film genutzt. Im Gegenteil, vieles ist wahrlich
nicht revolution%26auml;r, wie etwa die Bluescreen-Technik. Jeder Wetteransager
benutzt sie! Ich wollte nicht, dass der Film computergeneriert aussieht,
sondern nach Handarbeit. Ich hatte eine bestimmte Farbpalette im Kopf, die
ich umgesetzt habe.
WELT ONLINE: Ihr Sohn spielt in dem Film mit. Ging das gut?
Snyder: Oh, ich habe ja sechs Kinder, und
es gab schon ein wenig Streit deshalb. Vor allem ich war nerv%26ouml;s, als der
Drehtag gekommen war. Es ist zwar nur eine kleine Rolle, aber ich hatte
zuvor allen erz%26auml;hlt nur er k%26ouml;nne diesen Part spielen. Nun hat mein Sohn noch
nie vor der Kamera gestanden, und ich habe inst%26auml;ndig gehofft, dass er es
nicht versaut. Zum Gl%26uuml;ck lief es reibungslos. Mein Sohn hat jetzt allerdings
Bedenken, weil alle ihn in der %26bdquo;Windel%26ldquo; sehen k%26ouml;nnen.
Das Gespr%26auml;ch f%26uuml;hrte Katja L%26uuml;thge.
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